Lernorte technischer Bildung

Repräsentanten des VDMA bzw. der Stiftung ProWood und der Stiftung Polytechnische Bildung sowie Funktionsträger der DGTB im Gruppenphoto vor der Veranstaltung: (v.l.n.r) Dr. Bernhard Dirr, Dr. Borgenheimer, Dr. Wolfgang Eimer, Manon Gödiker, Prof. Dr. Andreas Hüttner, Dr. Jörg Friedrich, Volker Torgau, Thomas Möllers, Prof. Dr. Christian Wiesmüller, Prof. Dr. Wilfried Schlagenhauf, Prof. Wolf Bienhaus, PD Dr. Martin Binder, Dr. Stefan Kruse

Christian Wiesmüller

Vorweg sei dem Verband des Deutschen Maschinen- und Anlagenbaus VDMA bzw. dessen Stiftung ProWood ein großer Dank ausgesprochen. Weil alle Randbedingungen durch die großzügige Unterstützung optimal gestaltet waren, konnte es zu einem intensiven wissenschaftlichen Austausch kommen, dem vor allem auch unsere auswärtigen Gäste interessiert folgten. Diesen Besuchern und den Mitgliedern, insbesondere aber auch den Referenten, die den Weg nach Frankfurt a.M. gefunden haben, herzlichen Dank.

Wer angesichts der Themensetzung zur Jahrestagung recht klare Erwartungen hatte und sich nach Frankfurt begab, mag von der Tagung etwas überrascht worden sein:  Die DGTB wartet gerne mit Divergenzen auf, weil sie sich in der Pflicht sieht, ein Sachgebiet aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten. Dieses Mal bedeutete dies, sich die Sache nicht ganz einfach zu machen. Das hieß konkret, nicht nach Lernorten einer MINT-Bildung zu fragen, sondern nach Lernorten technischer Bildung; nicht mit den Leuchtturmprojekten zu beginnen, sondern im der Öffentlichkeit verborgenen Epizentrum technischer Bildung: im Technikraum der Schule – um dann die vielen begrüßenswerten Initiativen zu Wort kommen zu lassen; nicht die Virtualität an die prominente Stelle zu rücken, sondern das konkrete Handeln; nicht gleich nach der beruflichen Verwertbarkeit zu suchen, sondern zuvorderst nach dem Wert für die anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Wobei freilich jeder der Kontrapunkte seine je eigene Bedeutung und Berechtigung haben sollte und ihm der gebührende Raum bei der Tagung eingeräumt wurde.

Nach Grußworten von Dr. Jörg Friedrich für den VDMA und Dr. Wolfgang Eimer von der Stiftung Polytechnische Bildung, die Einblick in ihr Bildungsengagement gewährten, war der Fachraum und das Fachraumsystem Thema. Ein Forschungsgebiet, dem sich Prof. i.R. Wolf Bienhaus seit Jahren widmet. Die Referate von Dr. Kai-Christian Tönnsen und Dr. Michael Pries nahmen den außerschulischen Lernort in den Blick. War es Tönnsens Anliegen, Lernorte zu charakterisieren und ein Ordnungssystem vorzuschlagen und mögliche Konsequenzen für die Technikdidaktik aufzuzeigen, so stellte Pries als Vertreter des Didacta-Verbands Qualitätskriterien vor, an denen sich seine  Mitglieder, die auf dem außerschulischen Feld aktiv sind, soweit möglich orientieren.

In der Pause gab es Gelegenheit u.a. das museumspädagogische Konzept des Technikmuseums Magdeburg Buckau, vorgestellt von Heike Hinke und Volker Torgau, kennenzulernen, eine Schülergruppe der Junior Ingenieur Akademie zu erleben oder auch Einblick in den Wissensfloater von Prof. i.R. Helmut Richter zu nehmen.

Eine Diskussion, geleitet von Prof. Dr. Wilfried Schlagenhauf, nahm, angeregt durch das bisherige Programm, die Aspektvielfalt auf und führte zu einer ersten Übersicht. Einflüsse inklusiver Lernsettings war in der Folge das Thema von Patric Schaubrenner, der das Bündel an Schwierigkeiten aufzeigte, das eine bildungspolitische Setzung zeitigen kann, die organisatorisch und personell schlecht unterfüttert ist.

Den ersten Tag beschloss eine Mitgliederversammlung der DGTB, auf der u.a. Vorstandswahlen durchgeführt wurden und eine Satzungsänderung beschlossen wurde, die die DGTB in den nächsten Jahren prägen soll (demnächst auf dieser Homepage).

Eröffnet wurde der Vortragsreigen am zweiten Tag durch Prof. Dr. Peter Röben, der sich dem informellen Lernen an außerschulischen Lernorten widmete. Klaus Trimborn stellte das umfangreiche NRW-Projekt Zukunft durch Innovation ZdI vor. Die Junior Akademie zur Qualifizierung im IT-Bereich war Thema von Dr. Ludger Fast, bevor PD Dr. Martin Binder und Prof. Dr. Christian Wiesmüller Schule ergänzende Lernorte an Beispielen vorstellten.

Der Hauptteil der Tagung wurde durch ein Resümee des Vorsitzenden abgeschlossen, in dem er den Wert der außerschulischen Bildungsinitiativen hervorhob. Er erinnerte daran, dass es zuallererst staatliche Pflicht wäre, Bildung zu garantieren. Was mit Blick auf die allgemeine technische Bildung bedeutet: Lehrkräfte auszubilden, für sächliche Ausstattung zu sorgen und das Fach flächendeckend in allen Schularten einzuführen.

Nach der Mittagspause war die Zeit des wissenschaftlichen Nachwuchses gekommen. Fünf junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten in jeweils halbstündigen Vorträgen ihr Forschungsprojekt vorstellen und sich der Diskussion stellen. Die DGTB legt großen Wert auf das Nachwuchsforum, weil die Aufgabe, technische Bildung allgemein in seiner tatsächlichen Bedeutung zu verwirklichen, sich als Generationenprojekt erweist.