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Frühjahrs-Nachwuchsforum der Deutschen Gesellschaft für Technische Bildung in Karlsruhe

Acht Promovendinnen und Promovenden aus Deutschland und Österreich trafen sich am 10. und 11. April 2015 an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe zum zweiten Nachwuchsforum der Deutschen Gesellschaft für Technische Bildung (DGTB).

Begrüßt wurden sie vom ersten Vorsitzenden der DGTB, Prof. Dr. Christian Wiesmüller, der die Nachwuchsforscher in den Räumen des Fachbereichs Technische Bildung begrüßte. Wiesmüller hob in seiner Ansprache die Bedeutung der Forschung auf dem Gebiet der Technischen Bildung hervor. Man wäre in den letzten Jahren mit dem Vorhaben, eine Allgemeine Technische Bildung in Deutschland zu etablieren, noch nicht weit genug gekommen. Zwar gäbe es ausgereifte didaktische Ansätze und Konzepte und es würde auch erfolgreicher Technikunterricht umgesetzt. Viel zu viele Kinder und Jugendliche bekämen aber nicht die Chance, eigene Neigungen und Begabungen an sich zu entdecken, bekämen nicht die Gelegenheit, das Kulturgebiet Technik geistig zu erfassen. Er hoffe, dass verstärkte Forschungsaktivitäten hier Wirkungen erzielen könnten.

Die Nachwuchsforen der DGTB, die zwei Mal jährlich stattfinden, dienen dem Ziel, die Forschungsvorhaben der Promovierenden zu unterstützen, indem sie eine Plattform für den wissenschaftlichen Austausch bieten. Sie  tragen somit entscheidend zur Bildung einer im Bereich der Technikdidaktik angesiedelten Wissenschaftsgemeinde bei. Die Verantwortliche für den Ausschuss „Wissenschaftlicher Nachwuchs“ der DGTB, Dr. Maja Jeretin-Kopf, erklärte die Vernetzung der einzelnen Forschungszentren der in diesem Bereich forschenden Hochschulen zu einem der Ziele des Ausschusses.

Drei Vorträge standen an den beiden Tagen im Vordergrund der Diskussionen. Timo Finkbeiner, Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems, erläuterte in seinem Vortrag „Technische Bildung im fächerverbindenden Unterricht (Mathematik, Naturwissenschaft und Technik) die Zielsetzung des kooperativen Projektes verschiedener österreichischen Hochschulen. Im Rahmen des Projektes wird untersucht, inwiefern die Erkenntnisse der jeweiligen Fachdidaktik für fächerverbindende und genderrelevante Aspekte im Rahmen der Technischen Bildung von Bedeutung sind. Das besondere Forschungsinteresse von Herrn Finkbeiner gilt dabei der Frage, welche Bedeutung das Erkennen und Adaptieren von Wirkprinzipien und Elementarfunktionen für ein technisches Handeln in der Primarstufe hat. In seinem Vortrag „Fachdidaktische Analysekompetenz im technischen Bereich – Pilotierungsergebnisse von Studierenden im Vergleich mit Expertenurteilen“ stellte Sebastian Goreth, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, die wesentlichen Forschungsaspekte des Forschungs- und Nachwuchskollegs EKoL „Effektive Kompetenzdiagnose in der Lehrerbildung“ vor, in dessen Rahmen sein Forschungsvorhaben angesiedelt ist. Das Teilprojekt geht unter vergleichender Perspektive der Frage nach, ob fachwissenschaftliche wie fachdidaktische Studieninhalte aus dem Lehramtsstudium der Naturwissenschaften den Erwerb fachdidaktischer Kompetenzen im Bereich Technik positiv beeinflussen. Der dritte Vortrag mit dem Titel „Inklusiver Technikunterricht. Heterogenität im Fokus von (sonderpädagogischem) Lehrerhandeln“ wurde gehalten von Patrick Schaubrenner von der Europa-Universität Flensburg. In seiner Schilderung zu der Situation des technischen Unterrichts in Schleswig-Holstein wurde  deutlich, dass die starke Zunahme an Technikkursen und die Inklusionsbestrebungen des Landes dazu führen, dass auch im Technikunterricht ein wachsender Bedarf an sonderpädagogischer Expertise entstanden ist. Herr Schaubrenner geht im Rahmen seines Forschungsvorhabens unter anderem der Frage nach, welche Ergebnisse aus der sonderpädagogischen Forschung und welche Kompetenzen des sonderpädagogischen Lehrerhandelns sich extrahieren lassen und für die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf bei der zukünftigen Ausbildung von Techniklehrern nutzen lassen.

Zusätzlich zu inhaltlichen Fragestellungen wurden in den Diskussionsrunden offene Fragen im Hinblick auf das methodische Vorgehen und die quantitative Auswertung der Daten erörtert. Am Samstag folgten die Teilnehmer der Einladung von Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Haas, der ihnen das Fertigungstechnische Labor des Institutes of Materials and Prozesses (IMP)  an der Hochschule Karlsruhe zeigte und ihnen die vielfältigen technikwissenschaftlichen Forschungsvorhaben des IMP vorstellte. In einer intensiven Gesprächsrunde  erörterten die Teilnehmer die Bedeutung der Allgemeinen Technischen Bildung – auch im Sinne einer lebenslangen Bildung - und benannten einige Forschungsdesiderate in diesem Bereich.    

Das nächste Nachwuchsforum der DGTB wird im Anschluss an die DGTB-Jahrestagung in Ingolstadt am 19. September 2015 stattfinden.