Domänenspezifik und Interdisziplinarität

Forschungsprojekt Thomas Rajh PH FR Pädagogische Hochschule Freiburg

Domänenspezifik und Interdisziplinarität - Lernen im Fach und Fächerverbund am Beispiel Technischer und Historischer Bildung

Namen der Betreuer: Prof. Dr. Wilfried Schlagenhauf (PH Freiburg) und Prof. Dr. Thomas Martin Buck (PH Freiburg)

Laufzeit: 2012-2016

Kurzbeschreibung des Projektes:

Erste Ansätze fächerverbindenden Lernens lassen sich bereits bei Humboldt finden. In der Reformpädagogik Gaudigs werden diese weiter profiliert. Aus den Wissenschaften ist Interdisziplinarität nicht mehr wegzudenken und wird in Form fächerverbindenden Lernens vielfach auch für die Schule gefordert. Seit Jahren werden in Curricula Fächerverbünde allerlei unterschiedlicher Gestalt eingeführt. Woher der Fächerkanon an Hochschulen und Schulen stammt, welche Bedeutung die Fächer heute noch haben und auf welcher Grundlage sowie zu welchem Ziel hin Interdisziplinarität betrieben werden kann, ist dabei oft unklar. In Schule sind Fächerverbünde meist Ergebnis bildungspolitischer Setzungen ohne didaktische Notwendigkeit und Begründung.

Ob und ggf. wann Fächerverbünde zu besseren Lernergebnissen im Unterricht führen können, wie sie sich sinn- und gehaltvoll konstruieren lassen, welche Bedeutung lehr- und lerntheoretische Erkenntnisse darin haben, wird in dieser Arbeit kritisch überprüft. Diese Analyse findet vor dem Hintergrund allgemeiner Didaktik statt und gewinnt ihre exemplarischen Aussagen in einer vertieften Betrachtung der Frage nach Domänenspezifik und Interdisziplinarität für die Didaktik des Faches Technik.

Gerade am Beispiel des Faches Technik, dessen didaktischer Ansatz von einer erheblichen Weite und Offenheit geprägt ist und das zugleich in unterschiedliche fächerverbindende Strukturen eingebunden wurde, lassen sich die einschlägigen Fragen verdichten und überprüfen, was zu Erkenntnissen für die Allgemeine Didaktik zurückführen kann.

Ziel ist ein Kriterienkatalog, durch dessen Anwendung man a priori zu Aussagen über Sinnhaftigkeit und didaktische Affinität fächerverbindender Konstellationen  gelangen kann. Wann lassen sich Disziplinen in affinen Domänen in eine fruchtbare Beziehung setzen? Wo scheitert die Suche nach Synergieeffekten in der Zusammenarbeit der Fächer an gegensätzlichen Erkenntnisinteressen und mangelnden didaktischen Schnittmengen bereits in den Bezugswissenschaften? In welchem didaktischen Modell können Schulfächer interdisziplinär kooperieren?

Der methodische Ansatz der Studie besteht aufgrund der komplexen Fragestellung aus einer innovativen Synthese, weil sie sowohl Elemente geisteswissenschaftlicher Pädagogik (Textanalyse) wie auch Erkenntnisse empirischer Erhebungen (Studien aus Pädagogischer Psychologie und Erziehungswissenschaft) heranzieht, um in einer kritischen Prüfung zu Aussagen und Bewertungen domänenspezifischer und interdisziplinärer Ansätze zu gelangen. Das Ergebnis skizziert die Grundlinien einer umfassenderen Theorie interdisziplinären Lernens in der Schule.

Teilbereiche der Arbeit befassen sich mit folgenden Aspekten:

  • Verhältnis von Theorie und Empirie in der Erziehungswissenschaft – Zur Methodologie der Studie
  • Die Ordnung des Wissens – Von den septem artes liberales zum Fächerkanon der Schule
  • Historische Ansätze und Begriffe interdisziplinären Lernens
  • Kognitions- und entwicklungspsychologische Aspekte des Lernens in Disziplinen, Domänen und interdisziplinären Lernfeldern
  • Domänenspezifik und Interdisziplinarität am Beispiel der Technikdidaktik
  • Grundlagen und Voraussetzungen: Bildungstheorie und Didaktik interdisziplinären Unterrichts